BUCHEMPFEHLUNG: DAS UNBEHAGEN DER GESELLSCHAFT

Alain Ehrenberg: Das Unbehagen der Gesellschaft

Der französische Soziologe Alain Ehrenberg stellt in seiner Studie „Das Unbehagen der Gesellschaft“ einen Bezug zwischen dem Prozess der gesellschaftlichen „Individualisierung“ und der Zunahme psychischer Pathologien her.  

 

Waren Lebenswege noch bis weit in das 20 JH. qua Geburt und den hieraus  resultierenden geographischen und sozialen Kopplungen vorgezeichnet, kam es gegen Ende des 20. Jahrhunderts zu einer Freisetzung von Möglichkeiten der individuellen Lebensgestaltung. Doch diesem Mehr an individueller Freiheit wohnt zugleich ein „Fluch“ zur Nutzung der neuen Lebenschancen inne. Nach Ehrenberg wurde die traditionelle Frage „Was darf ich tun“ durch die Frage „Wozu bin ich fähig?“ abgelöst. Und aus der Unfähigkeit diese neuen Entwicklungsmöglichkeiten zu nutzen, resultiert nach Ehrenberg eine Zunahme narzisstischer Persönlichkeitsstörungen und depressiver Erkrankungen.

Unser Fazit:

Auch wenn das „Dilemma“ der individuellen Freiheit in Zeiten gesellschaftlicher Individualisierung schon von anderen Autoren erkannt und beschrieben wurde (vgl. u.a. Hitzler 1998), ist Ehrenberg (unserer Wahrnehmung nach) der erste Autor, der die Individualisierung mit der Zunahme psychischer Krisen in westlichen Gesellschaften verbindet. Auch wenn sich die Erkenntnisse der „Studie“ (Suhrkamp) weitestgehend auf die Beobachtung der Entwicklung der französischen und der US-amerikanischen Gesellschaft stützen, gelingt es dem Autor seine These plausibel darzulegen.